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Gewöhnliche Schlehe:

dornig, draufgängerisch, wertvoll

Die Gewöhnliche Schlehe ist ein einheimisches Wildgehölz mit einem herausfordernden Charakter. Sie ist nicht nur stark bedornt, sondern bildet zudem reichlich Ausläufer. Weiß man sie jedoch richtig zu nehmen, erfreut sie Mensch und Tier mit überbordendem Blütenreichtum und interessanten Früchten.

Sie ist die Urmutter unserer Zwetschgen, Pflaumen und Mirabellen: die Gewöhnliche Schlehe (Prunus spinosa), die auch Schlehdorn oder Sauerpflaume genannt wird. Manch einer bezeichnet sie auch als lebendigen Stacheldraht. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass die Dornen auch noch Jahre nach dem Tod des Strauchs so stabil sind, dass sie Gummistiefel oder Autoreifen durchstechen können. In der Natur wächst das hier heimische Gehölz bevorzugt an Weg- oder Waldrändern sowie an felsigen Hängen.

Ausläuferbildung durch eine Wurzelsperre begrenzen

Der Strauch gehört zur Gattung Prunus innerhalb der großen Pflanzenfamilie der Rosengewächse. Er wird bis zu drei Meter hoch, wächst sparrig und dicht verzweigt. Seine fast schwarze Rinde ist verantwortlich dafür, dass er auch als Schwarzdorn bekannt ist. Wenn man ihn lässt, bildet der Strauch mit der Zeit ein undurchdringliches Dickicht. Seine Wurzeln reichen nicht tief, dafür aber weit, und sie schießen oft in größerem Umkreis zahlreiche Schösslinge empor. Genau diese penetrante Ausbreitungstaktik macht den Strauch für viele Gärtner zum No-Go. Wer aber eine Böschung zu befestigen hat, der kann sich das ausufernde Wurzelwerk der Schlehe zunutze machen, da es den Boden gut festhalten kann. Alle anderen setzen besser eine Wurzelsperre, mit deren Hilfe sich die Ausläufer in der Regel gut kontrollieren lassen. Manche Gärtner pflanzen die Schlehe in einen eingegrabenen 50 Zentimeter tiefen Betonring, aber eine Rhizomsperre aus Kunststoff hält die Ausläufer ebenfalls in Schach. Zwar ist der Einbau der Wurzelsperre vergleichsweise aufwendig, dafür ist die Pflanze danach ein Selbstläufer und braucht keinerlei weitere Pflege. Nur wer es auf besonders große Früchte abgesehen hat, sollte etwa alle drei Jahre gleich nach der Blüte ein paar ältere Äste entfernen.

Standort und Bodenansprüche

Die Gewöhnliche Schlehe steht bevorzugt sonnig, kommt aber auch mit Halbschatten zurecht. Sie mag nährstoffreichen und kalkhaltigen Lehmboden am liebsten, ist aber als so genanntes Pioniergehölz auch auf kargen und trockenen Standorten überlebensfähig.

Frühe Blüte für Insekten

Vor allem wegen ihrer frühen Blütezeit, die oft schon ab Ende März beginnt und deutlich vor dem Blattaustrieb liegt, ist die Schlehe von hohem ökologischem Nutzen. Zahlreichen Bienen und Schmetterlingen dient sie als wichtiges Nährgehölz. Die weißen, nach Mandeln duftenden Blüten sind überreichlich vorhanden und wirken im Kontrast zur fast schwarzen Rinde ganz besonders stark.

Schlehen sind Vogelnährgehölze

Nicht nur die Blüten, sondern auch das dornige Gestrüpp und die rund einen Zentimeter großen Früchte machen die Schlehe zu einem der wichtigsten Wildsträucher für Tiere. Etliche Kleinsäuger und etwa zwanzig Vogelarten, unter ihnen Heckenbraunellen, Drosseln, Amseln, Grasmücken und Neuntöter, nutzen das Gehölz auf die eine oder andere Weise. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der Neuntöter. Seinen brutal klingenden Namen hat der Vogel ganz zu Recht, denn er nutzt die langen Dornen der Schlehe, um auf ihnen seine Nahrung aufzuspießen. So kann er Insekten, kleine Amphibien, Reptilien, Mäuse und Jungvögel entweder bequemer direkt verspeisen oder eine Zeitlang lagern.

Schon Ötzi aß Schlehenfrüchte

Schon in der Steinzeit nutzten Menschen Schlehenfrüchte als Nahrungsmittel. Eismumie Ötzi hatte ein paar von ihnen in seinem Vorratsbeutel. Aber auch die Rinde und das Holz der Schlehe waren in früheren Zeiten begehrt. Die Rinde wurde zur Gewinnung von Tinte verwendet, und das harte Holz diente unter anderem zur Herstellung von Wanderstäben. Diese nutzten die Wanderer nicht nur als Stütze, sondern auch als Schutz gegen böse Geister.

Die Schlehe in der Mythologie

Im Brauchtum und in der Mythologie spielte die Schlehe eine große Rolle. Da sie vor Hexen und Blitzen schützen sollte, wurde sie – wie der Holunder auch – oft in Hofnähe gepflanzt und galt zudem als Grenzzone zur Anderswelt. Wer unter ihr schlief, konnte die Grenze zwischen den Reichen passieren. Gleichzeitig galt die Schlehe auch als Heimat dunkler Götter, hatte also durchaus eine ambivalente Bedeutung, die auch im Kontrast zwischen Blüten und Rinde offenbar wurde. Während die weißen Blüten für die Erneuerung des Lebens standen, erkannte man nach dem Laubfall im Herbst in der schwarzen Rinde die bevorstehende Dunkelheit. Auch bei Harry Potter kommt die Schlehe vor, und zwar ebenso wie der Holunder: als Holz für Zauberstäbe.

Nach dem ersten Frost ist Erntezeit

Schlehen erzeugen auf der Zunge ein pelziges Gefühl. Der erste Frost vermindert das zwar und die Früchte sind milder, aber dennoch ist die Schlehe für viele eine geschmackliche Herausforderung. Man kann Schlehen zwar roh essen, aber vermutlich möchte man das nicht. Denn verarbeitet zu Marmelade, Gelee, Saft, Sirup, Mus oder Likör sind die sauren Früchtchen deutlich schmackhafter. Wer es lieber herzhaft hat, kann eine ganz interessante Variante probieren und die Früchte pikant eingelegt als falsche Oliven verwenden. Achtung: Der Kern darf nicht mitgegessen werden! Wer diese wilde Schönheit im Garten hat, kann sich ab Ende März über die weiße Blütenpracht freuen, viele Insekten und Vögel beobachten und nach dem ersten Frost in die Marmeladenherstellung einsteigen.

Also ran an den Strauch!


Schlehdorn

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