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Wildbienen: Lebensweise, Nahrung und Schutzmaßnahmen

Etwa die Hälfte der 560 in Deutschland lebenden Wildbienen-Arten gilt als gefährdet. Sie zu schützen ist überlebenswichtig für uns alle. Eine kleine Wildbienenkunde mit Fakten rund um Lebensräume, Nahrungsangebote und einigen überraschend süßen Details.

Wenn Biene Maja und die anderen Honigbienen sich bei ungünstiger Wetterlage bedeckt halten, sind viele Wildbienen trotzdem unterwegs. Sie sind nämlich robuster und fliegen bei fast jedem Wetter los. Wildbienen liefern uns zwar keinen Honig, tragen aber durch ihre Bestäuberleistung maßgeblich zur weltweiten Ernährungssicherheit bei. Und sie bestäuben auch Pflanzen, an denen Honigbienen kein Interesse haben.

In Deutschland gibt es rund 560 Wildbienenarten. Etwa die Hälfte von ihnen gilt derzeit als gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Albert Einstein wird der Satz zugeschrieben: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ Inzwischen hat sich zwar herausgestellt, dass dieses Zitat gar nicht von Einstein stammt. Aber der Grundgedanke, dass wir in völliger Abhängigkeit von der Natur leben, ist trotzdem wahr.

Wildbienen haben sehr unterschiedliche Farben und Muster, manche sind sehr pelzig und andere fast unbehaart. Die vermutlich kleinste in Deutschland lebende Wildbiene ist die nur 3-4 Millimeter große Sand-Steppenbiene. Die Blauschwarze Holzbiene dagegen kann eine Größe von bis zu 3 Zentimetern erreichen. Die meisten Arten sind nicht größer als 7 Millimeter und daher in der Lage, auch sehr kleine Blüten zu bestäuben.

Fürchten muss man sich vor Wildbienen übrigens nicht. Sie sind in der Regel friedlich und ihr Stachel kann die menschliche Haut meist nicht einmal durchdringen.

Der Garten als Lebensraum für Wildbienen

Wer Wildbienen in seinem Garten einen Lebensraum bieten möchte, braucht zweierlei: Plätze zum Nisten und geeignete Pflanzen, vorzugsweise heimische Pflanzen mit ungefüllten Blüten. Wildbienen sehen nicht nur unterschiedlich aus, sondern haben auch unterschiedliche Präferenzen was Futter und Nestbau betrifft. Manche sind hochspezialisiert auf ganz bestimmte Pflanzen, andere sind weniger wählerisch. Auch was den Nestbau angeht, ist Wildbiene nicht gleich Wildbiene. Viele bauen ihre Nester in gegrabene Gänge im Erdboden, andere nutzen Totholz oder Felsspalten. Je vielfältiger also ein Garten gestaltet ist, desto mehr unterschiedliche Arten kann er beherbergen.

Solitär-Bienen, staatenbildende Bienen und Kuckucksbienen

Die meisten Wildbienen sind Einzelgänger, werden daher auch als Solitär-Bienen bezeichnet. An besonders geeigneten Plätzen nisten diese Bienen mitunter in einer Art Kolonie, Biene neben Biene. Manche Wildbienen hingegen bilden kleine Staaten. Ein paar Arten der Furchenbienen zum Beispiel oder auch die Hummeln, die ebenfalls zu den Wildbienen zählen. Die dritte Gruppe gehört zu den so genannten Kuckucksbienen. Sie bauen nicht selber, sondern legen ihre Eier in fremden Brutzellen ab.

Nestbau

Bei einer Lebenszeit von vier bis acht Wochen haben Wildbienen keine Zeit zu verlieren. Gleich nach dem Schlüpfen paaren sie sich. Danach machen sich die Weibchen an den Bau der Nester, in denen sie die Brutzellen unterbringen. Zehn bis maximal vierzig einzelne Brutzellen legt jedes Weibchen in seinem Leben an. In jede Brutzelle legt das Weibchen ein Ei sowie einen Vorrat an Pollen und Nektar. Dann wird die Zelle verschlossen. Oft werden die Brutzellen in Reihen angelegt, manchmal auch einzeln.

Um ihre Nester im Erdboden, in Hohlräumen, Totholz, hohlen Pflanzenstängeln oder Fels- und Mauerspalten zu bauen, nutzen Bienen unterschiedlichste Baumaterialien: Erde, Laubstücke, Teile von Blütenblättern, zerkaute Blätter, Mark- oder Holzstückchen sowie Pflanzenhaare. Die Mohn-Mauerbiene beispielsweise gehört zu den Tapezierbienen - und das aus gutem Grund. Sie nutzt kleine Stückchen von Mohnblüten, um mit ihnen ihr Nest zu tapezieren. Das soll die Brut vor dem Austrocknen schützen. Die Garten-Wollbiene hat es auf Pflanzenhaare abgesehen. Sie scharbt die Haare von verschiedenen Ziest-Arten, Sand-Strohblumen, Flockenblumen oder anderen behaarten Pflanzen ab und baut damit ihre Brutzellen. Eine ganz besondere Art von Nestbau betreibt die zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene. Der Name verrät es bereits: Diese Biene nutzt leere Schneckenhäuser, um ihre Brut unterzubringen.

Wenn das Wetter schlecht ist, suchen die Weibchen Schutz in ihren Nestern. Die Männchen und die Kuckucksbienen finden Unterschlupf in Hohlräumen oder auch in Blüten von Glockenblumen, Malven oder Storchschnäbeln. Manchmal alleine und manchmal in kleinen Gruppen.

Spezialisierte Pollensammler

Bienen sammeln Pollen und Nektar. Während die Wildbienen selber den Nektar nutzen, sammeln sie den Pollen vorrangig für ihre Brut. Rund ein Drittel der Arten sind spezialisiert bzw. hochspezialisiert und sammeln Pollen von nur einer Pflanzenfamilie, in extremen Fällen auch nur von einer Art. Verschwindet die Art, dann verschwindet auch die Biene. Die restlichen zwei Drittel der Wildbienen sind den Generalisten zuzurechnen. Sie bedienen sich an vielen verschiedenen Pflanzen.

Die Wildbiene des Jahres 2021 ist die Mai-Langhornbiene. Sie gehört zu den spezialisierten Arten und besucht ausschließlich Schmetterlingsblütler, allen voran die Zaun-Wicke, die oft als Unkraut bezeichnet wird und vor allem an Weg- oder Waldrändern, auf Fettwiesen, an Zäunen oder Hecken wächst. Wer die Mai-Langhornbiene fördern möchte, lässt die Zaun-Wicke im Garten gewähren und sorgt gleichzeitig für einen passenden Platz zum Nestbau: wenig bewachsene Stellen mit sandigem oder lehmigem Boden.

Ebenfalls zu den spezialisierten Arten gehört die Glockenblumen-Scherenbiene, die sich recht leicht im Garten fördern und beobachten lässt. Sie fliegt unterschiedlichste Glockenblumen an wie die Rundblättrige, die Pfirsichblättrige, die Dalmatiner oder die Hängepolster-Glockenblume. Die Glockenblumen-Scherenbiene nistet oberirdisch in schon vorhandenen röhrenförmigen Hohlräumen, etwa in Käferfraßgängen in Totholz oder in hohlen Stängeln. Die Blüten der Glockenblumen dienen nicht nur der Nahrungssuche. Auch als Schlafplatz und als Unterschlupf für Schlechtwetterphasen werden die Blüten besonders von den Männchen gerne aufgesucht.

Ein Garten, den die Bienen lieben

Einen Garten einzurichten, in dem viele auch sehr unterschiedliche Bienen einen passenden Lebensraum finden, ist kein Problem, wenn man dem Grundprinzip „Vielfalt“ folgt. Wenn der Garten unterschiedlichste Elemente aufweist wie Wildgehölz-Hecken, Trockenmauern, Totholzhaufen oder -hecken, Steinhaufen, Wasserstellen, unbepflanzte freie Stellen, wilde Ecken und anderes, finden viele Arten den gerade für sie passenden Lebensraum. Gleichzeitig braucht es ein variantenreiches Pflanzenangebot, das die Bienen zur eigenen Ernährung, zur Versorgung ihrer Brut und mitunter auch zum Nestbau verwenden können. Was viele Menschen als Unkraut bezeichnen, bewerten Bienen ganz anders. 70 verschiedene Wildbienenarten nutzen etwa den Pollen vom Wiesen-Löwenzahn und 57 den vom Gewöhnlichen Hornklee. Aber auch viele Pflanzen, die sich oft nicht spontan ansiedeln, sondern in der Regel gesät oder gepflanzt werden wie Wiesen-Flockenblume, Wegwarte, Gewöhnlicher Natternkopf, Salweide, Rundblättrige Glockenblume, Zweigriffeliger Weißdorn, Schlehe, Brombeere, Klatsch-Mohn und etliche andere, bringen vielen Wildbienen-Arten die benötigte Nahrung.

Wer auch mal schlafende Wildbienen in Glockenblumenblüten beobachten, oder die Vielfalt der Wildbienenwelt bestaunen möchte, kann noch heute die Grundlagen legen und ein paar in Wildbienenkreisen besonders beliebte Pflanzen setzen. Diese hier zum Beispiel: