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Gattung Abies

Systematik

Familie: Pinaceae (Kieferngewächse)

Gattung: Abies

Arten

Generelles

Die Gattung der Tannen Abies aus der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) umfasst ungefähr 40 Arten, davon mittlerweile mehrere heimische bzw. eingeführte Arten, darunter Abies alba (Weißtanne), Abies grandis (Küsten-Tanne), Abies nordmanniana (Nordmanntanne) und Abies procera (Pazifische Edeltanne) [12]. In Nordamerika sind 9 Arten vertreten, wie z.B. Abies balsamea (Balsamtanne), die anderen Arten stammen aus Europa und Asien, sogar aus dem Himalaja-Gebirge [7].

Die höchsten Zuwächse kann die Tanne in humiden Gegenden erreichen. Sie weisen generell höhere Feuchtigkeitsansprüche auf und mindestens mittlere Nährstoffansprüche, können allerdings auch auf welchselfeuchten Standorten wachsen [6]. Abies alba gilt beispielsweise als anspruchsvollere Art, stellt jedoch wenig spezifische Ansprüche an den Boden und dem pH-Wert; auf Niederschlagsreichen Standorten steht sie in ihrem Optimum, auf trockenen Standorten und durch Dürre ist sie stark gefährdet [12]. Auf trockenen und kalkhaltigen Standorten gedeiht die Tanne eher schwer. Mitunter bestehen jedoch stärkere Unterschiede zwischen den Arten. So könnten Arten wie die Spanische Tanne (Abies pinsapo) oder die Griechische Tanne (Abies cephalonica) alternativ an kalkhaltigen Trockenstandorten gepflanzt werden [7] [4] [9].

Als leistungsfähige und ökologisch wertvolle Tannenart hat sich Abies alba in mitteleuropäischen Bergmischwäldern etabliert, in Höhenlagen zwischen 500 bis 800 m ü. NN., im Raum der Seealpen sogar bis 2100 m ü. NN. Die Arten der Gattung Abies wachsen weltweit zwischen 400 und 2700 m ü. NN. Abies alba erreicht Oberhöhen von bis zu 65 m mit Stammdurchmessern (BHD) von bis zu 2 m (max. 3,8 m) und einem zu erwartenden Alter von 500 - 600 Jahren [1]. Ähnlich hohe Zuwächse haben: A. concolor, A. magnifica, A. procera (Amerika); A. equi-trojani, A. nordmanniana (Türkei); A. holophylla (Asien). Geringere Höhen haben A. balsamea, A. lasiocarpa, A. veitchii, A. sibirica [10].

Durch ihr starkes, tiefreichendes Wurzelsystem ist die Tanne generell sturmsicher und stabilisiert auf diese Art und Weise auch durch Naturverjüngung entstandene Wälder [12] [1].

Im forstlichen Kontext werden die verschiedenen Baumarten der Tanne mit ihrem Gattungsnamen zusammengefasst, da sie Waldbaulich ähnliche Voraussetzungen und Eigenschaften besitzen und Anwendung finden. Die Art-Unterscheidung wird wiederum hinsichtlich der Verwendbarkeit im Rahmen des Klimawandels interessanter.

Wuchsform

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Blatt und Blüte

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Die Nadeln sind weich und unterseits meist weißlich hell gefärbt. Die Nadeln liegen entweder verteilt am Zweig (z.B. A. nordmanniana) oder kammförmig (z.B. A. grandis). Die Geschlechter sind getrennt am selben Baum: männliche Blüten liegen in Büscheln auf der Unterseite der Zweige, weibliche Blüten stehen aufrecht [7], diese bilden die Zapfen aus. Bei der Tanne stehen die Zapfen aufrecht, die Zapfen der Fichte hingegen hängen.

Im Gegensatz zu der Fichte sitzen die Nadeln der Tanne auf “Tellern” am Zweig. Löst man diese, bleibt eine glatte Stelle frei, bei Fichten bleibt ein verholzter Stummel über. Das Reisig der Fichte hat deshalb auch eine sehr rauhe Oberfläche. Ebenfalls verbleiben die Nadeln bei der Tanne am trockenen Zweig länger als an der Fichte [7]. Bei Abies alba verbleiben die lebenden Nadeln am Zweig etwa 8-12 Jahre [12]. Die Nadeln der Douglasie sitzen meist unregelmäßiger und sie riechen deutlicher nach Zitrone.

Früchte

Die Zapfen der verschiedenen Tannenarten können sehr unterschiedlich sein. Aufrecht am Zweig stehend, haben sie sogar ästhetischen Wert. Manche Zapfen sind klein, manche sehr groß, manche purpurfarbig oder dunkel. Bei Berührung fallen sie leicht auseinander, gegenüber den Zapfen von Kiefern sind sie also ein eher schlechtes Mitbringsel [7].

Verbreitung

Weltweit kann man diese Gattung in den gemäßigten Breiten unter humiden Klimabedingungen der Nordhalbkugel antreffen, häufig in den kühleren Gebirgslagen Mittel- und Südeuropas [12] [7] [6]. Die Oberhöhen liegen zwischen 30 und 60 m im europäischen Raum. Es wurden jedoch bereits Exemplare von Abies grandis in Amerika entdeckt, die fast 90 m erreichten. Auch von Abies procera gibt es in ihrer Heimat in den Gebirgsregionen Westamerikas Exemplare Höhen von 75 m. Abies concolor hat von den amerikanischen Arten das größte Verbreitungsgebiet und wurde in Europa mittlerweile auch kultiviert. Aus Asien stammende und hierzulande bekannte Arten sind Abies koreana, Abies homolepsis und Abies veitchii [7] [10].

Verwendung im Waldbau

Der Wuchs ist der Fichte oder der Douglasie recht ähnlich, sodass häufig auch eine Verwechslungsgefahr besteht. Der Name “Abies” kommt vom lateinischen “abire” (aufstreben), dies deutet den hohen aufstrebenden Wuchs an. Generell weisen die unterschiedlichen Tannen-Arten einen recht gleichmäßigen und ähnlichen Wuchs auf. Sie haben dabei die strengste pyramidiale Wuchsform unter den Koniferen [7].

Die Tanne ist ein sehr wüchsiger Baum, sie kann jedoch, als extreme Schattbaumart lange unter Schirm stehen und warten. und eignet sich deshalb für klassische Plenterwälder, wo sie typischerweise mit Buche und Fichte angebaut wird [6]. Auf einer Fläche stehen hier Bäume unterschiedlicher Alters- und Höhenstrukturen. Hierbei kann es vorkommen, dass einzelne Tannen so stark ausgedunkelt werden, dass sie Jahre warten, ehe sie bei Freistellung plötzlich mit einem hohen Zuwachs reagieren und teilweise enorme Wuchsleistungen vollbringen [6]. Die Größe einer vermeintlich jungen Tanne sollte deshalb nicht mit dem Alter gleichgesetzt werden, da sie auch schon 100-jährig sein kann!

Mit 120 Jahren kann Abies alba auf einem Hektar Reinbestand eine Gesamtwuchsleistung (gesamter Zuwachs innerhalb von 120 Jahren) von max. 1600 fm erreichen [12]. Im Reinbestand stehen nach 100 Jahren ca. 750 Vorrats-Festmetern (Vfm - Das vorhandene Volumen auf der Fläche.) pro Hektar [11]. Der Massenertrag der Tanne liegt über dem der Fichte [6] und hat in den ersten 100 Jahren einen durchschnittlichen Zuwachs von 18 m³ pro Hektar und Jahr [1].

Zu Beginn bildet die Tanne ein Pfahl-Wurzelsystem aus, was wenig verwurzelt aber tiefreichend ist und nur etwa 40 cm/Jahr in die Tiefe wächst. Später bildet sich daraus ein Herz-Wurzelsystem, mit tiefgehenden Senkern und starken Seitenwurzeln. Der größte Feinwurzelanteil kommt im Oberboden und im Übergang zum Mineralboden gebildeten Seitenwurzeln vor. Noch im hohen Alter besteht ein starkes Wurzelwachstum, was vermutlich auch die Ursache für den lang anhaltenden Zuwachs im Alter ist [1].

Lebensbereiche

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Nutzung

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Die Tanne wird vorzugsweise in der Holzproduktion verarbeitet. Das Tannenholz wird in Sortimenten von Fi/Ta (Fichte/Tanne) zusammengefügt und entspricht in ihrer Qualität und Verwendung dem Fichtenholz [12], obwohl es etwas schwerer und anfälliger gegenüber Ringschäle ist, weshalb es von Zimmerleuten und Sägewerken weniger geschätzt wird [1]. Das Holz lässt sich gut bearbeiten, spalten, imprägnieren und verleimen [1]. Aufgrund der guten Spaltbarkeit wird aus Tannenholz Dachschindeln hergestellt. Im Möbelbau, sowie im Innenausbau wird es empfohlen. Ebenfalls wird es in der Zellstoff- und Papierindustrie, sowie für Faserplatten verarbeitet [1].

In Nordamerika wurden die duftenden Nadeln der Balsamtanne (Abies balsamea) zur Parfümierung und zu sog. Kiefernholzseife verarbeitet. Aus ihrem Harz wurde sogar ein besonderer Klebstoff gewonnen [7].

Holzeigenschaften

Im Folgenden werden die Holzeigenschaften von Abies alba als Beispiel aufgeführt:

Das Holz ist hell, weist jedoch durch den hohen Anteil des dunkel-rötlichen Spätholzes eine klare Jahrringstruktur auf. Splint- und Kernholzbereiche sind farblich nicht zu unterscheiden. Im Holz sind keine primären, jedoch gelegentlich tangential verlaufende Harzkanäle vorhanden, die nach Verletzungen aufkommen. Das Holz ist witterungsbeständiger als von Picea abies, jedoch wenig dauerhaft und widerstandsfähig gegenüber Insekten und Pilzen [1].

Der Lignin-Gehalt liegt bei 28 - 29,9 %, Der Cellulosegehalt bei 40,6 - 44,1 %, Hemicellulosen liegen bei 11,5 %. Die Darrdichte liegt zwischen 0,32 - 0,71 g/cm³, die Rohdichte bei 0,35 - 0,75 g/cm3. Die Druckfestigkeit1 ist eher gering mit 1 - 59 N/mm², während Biege und Zugfestigkeit2 nahezu gleich sind und bei 47 - 118 N/mm² liegen. [1]

Empfehlungen

Selbst auf staunassen Böden wurde nachgewiesen, dass die Wurzeln, insbesondere von Abies alba, weiter als die anderer Baumarten vordringen. Abies alba eignet sich auch zu der Besiedlung schwer zu erschließender Böden, die schlecht durchlüftet werden, da sie geringe Ansprüche an die Bodendurchlüftung stellt [1]. Als extreme Schattenbaumart kann die Tanne lange unter Schirm stehen und eignet sich deshalb sehr gut für die Plenterbewirtschaftung [6]. Für die Stabilisierung von Wäldern ist sie aufgrund ihrer starken Verwurzelung gut geeignet [12].

Anfälligkeiten

Tannen meiden flachgründige Kalkböden (trocken) und sind empfindlich gegenüber Insektenschäden [7], auch wenn diese meist vergleichsweise unproblematisch sind [8]. Von 1830 bis 1960 gab es, vermutlich durch Klimaveränderungen, einen Rückgang von Abies alba in Bayern um 13 %. Ebenfalls ist das Aufkommen der Komplexkrankheit, das sogenannte “Tannensterben” seit mehr als 200 Jahren periodisch wiederkehrend [12]. Ursächlich dafür sei wohl die Schwefeldioxid-Immission, welche mit weiteren Stressfaktoren zum schrittweisen Absterben des Baumes führt [8].

Im Waldbau ist die Tanne stark empfindlich gegenüber Verbiss-Schäden, was in Gebieten mit viel Rehwild eine regelmäßige Bejagung und evtl. sogar strenge Umzäunung erfordert, da sonst die junge Tanne nie “aus dem Äser” (außerhalb der Reichweite des Rehs, also ca. 1,3 m) wachsen. Kostenintensive Anpflanzungen von Tanne müssen somit vor Verbiss geschützt werden. Außerdem ist sie spätfrost-gefährdet [12] [1].

Fun Fact

Viele lieben den Geruch von Tannengrün insbesondere beim Spazierengehen durch den Nadelwald oder zu Weihnachten. Dies ist nicht nur entspannend, sondern auch gesund! Die Bäume setzen ätherische Öle frei, sogenannte Terpene, die nachweislich gesundheitsfördernd sind [2]. Die unterschiedlichen Arten weisen zudem unterschiedliche Gerüche auf, wie Zitrone, Mandarine, Terpentine [7].

Jeder kennt es: Man besorgt sich die schönste Tanne zu Weihnachten - das Tannengrün hebt die Stimmung, der Duft des Baumes erwärmt das Gemüt. Doch manches Mal, da sind die Nadeln spitz und nicht weich. Außerdem finden sich nach kurzer Zeit die Nadeln am Fußboden verstreut - sehr ärgerlich… Tja, das kann bedeuten, dass man sich hier keine Tanne, sondern eine Fichte ins Haus geholt hat!

Quellenangabe

[1] Bucher, H. U.: Abies alba. In: Roloff, A. ; Schütt, P. ; Weisgerber, H. ; Lang, U. M. ; Stimm, B. (Hrsg.): Enzyklopädie der Holzgewächse, Ecomed Biowissenschaften. Landsberg am Lech; Weinheim : ecomed; Wiley-VCH, 1994 — ISBN 3609720301 [2] Duftstoffe: Wie Bäume unser Immunsystem stärken. In: https://www.geo.de/natur/oekologie/21200-rtkl-heilsame-duftstoffe-wie-baeume-unser-immunsystem-staerken (24.05.2022) [3] Ellenberg, Heinz ; Weber, Heinrich E. ; Düll, Ruprecht ; Wirth, Volkmar ; Werner, Willy: Zeigerwerte von Pflanzen in Mitteleuropa, Scripta geobotanica. Bd. Volume 18. 3., durchgesehene Auflage. Göttingen : Verlag Erich Goltze; Verlag Erich Goltze GmbH & Co KG, 2001 — ISBN 3884525182 [4] Fady, Bruno ; Schütt, Peter: Abies cephalonica. In: Roloff, A. ; Schütt, P. ; Weisgerber, H. ; Lang, U. M. ; Stimm, B. (Hrsg.): Enzyklopädie der Holzgewächse, Ecomed Biowissenschaften. Landsberg am Lech; Weinheim : ecomed; Wiley-VCH, 1994 — ISBN 3609720301 [5] Fischer, Matthias: Der Wald heilt Menschen. In: Naturwald Akademie gGmbH (11.06.2017) [6] Forstliche Bildungsstätten der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Der Forstwirt: 104 Tabellen. 6., aktualisierte Aufl. Stuttgart : Ulmer, 2015 — ISBN 978-3-8001-8448-4 [7] Johnson, Hugh: Das große Buch der Bäume: Ein Führer durch Wälder, Parks und Gärten der Welt. 4. Aufl. Bern : Hallwag, 1978 — ISBN 3444101538 [8] LWF: Tannenschadinsekten. https://www.lwf.bayern.de/waldschutz/forstentomologie/242426/index.php (10.06.2022) [9] Pardos, José A. ; Pardos, Marta ; Schütt, Peter: Abies pinsapo. In: Roloff, A. ; Schütt, P. ; Weisgerber, H. ; Lang, U. M. ; Stimm, B. (Hrsg.): Enzyklopädie der Holzgewächse, Ecomed Biowissenschaften. Landsberg am Lech; Weinheim : ecomed; Wiley-VCH, 1994 — ISBN 3609720301 [10] Roloff, A. ; Schütt, P. ; Weisgerber, H. ; Lang, U. M. ; Stimm, B. (Hrsg.): Enzyklopädie der Holzgewächse: Handbuch und Atlas der Dendrologie, Ecomed Biowissenschaften. Landsberg am Lech; Weinheim : ecomed; Wiley-VCH, 1994 — ISBN 3609720301 [11] Schober, Reinhard: Ertragstafeln wichtiger Baumarten bei verschiedener Durchforstung. 3., neubearbeitete und erweiterte Auflage. Frankfurt am Main : Sauerländer, 1987 — ISBN 3-7939-0730-9 [12] Schütt, Prof. Dr. P. ; Schuck, Dr. H. J. ; Stimm, Dr. B. (Hrsg.): Lexikon der Baum- und Straucharten: Das Standardwerk der Forstbotanik ; Morphologie, Pathologie, Ökologie und Systematik wichtiger Baum- und Straucharten. Hamburg : Nikol, 1992 — ISBN 3-933203-53-8